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UNCOMFORTABLY COMFORTABLE

Brooklyn, New York. Eine Vereinbarung zwischen Filmemacherin und Protagonist. Eine ständige Ausverhandlung von Nähe und Distanz. Textnachrichten und Notizen am Fahrradlenker, Verabredungen in der Bibliothek und gemeinsame Fahrten durch die Stadtlandschaft. Marc Thompson spricht über Unausweichlichkeiten in einem rassistischen System. Über die Funktion von Gefängnismauern, strukturelle Gewalt unsichtbar zu halten. Über das Stigma von Wohnungslosigkeit, die Scham über Vergangenes und das (Um-)Schreiben der eigenen Geschichte. Beobachtungen, prosaische Momente, Fragmente von Erinnerung und Traumata. Alleine in Bewegung. Routinen und Brüche – Rituale im Fitnesscenter, im Waschsalon, Autoreparaturen, ein kurzer Krankenhausaufenthalt. Sehnsucht – nach Verbindung, nach Teilhabe, nach Bewegung – nach Leben. Klar, ruhig und angespannt, inmitten einer lauten, schnellen Stadt. (dca)

RESIDUE

Jay kehrt nach Washington, D.C. zurück, um dort in der Nachbar_innenschaft seiner Kindheit ein Drehbuch zu entwickeln. Was bleibt übrig wenn man geht, was ist übrig wenn man wiederkommt? Wie lassen sich Erinnerungen und Fragmente von Vergangenem festhalten? In Schichten blenden Träume vom Zuhause der Kindheit, gegenwärtige und verdrängte Traumata ineinander. Eingeschrieben in eine Straße – Suchbewegungen, politische Dringlichkeiten und Gewalt. Gentrifizierung. Die Stadt in Veränderung. Entrückt und verschoben. Ein Versuch zu fassen, was nicht mehr zurückzuholen ist. Angetrieben von der Sehnsucht nach Verortung. Filme über Filme machen um in einer Dichte des Spezifischen Bilder für ein großes Ganzen zu finden. Bruchstückhaft, zwischen schillernden Momenten und Schmerz. Merawi Gerima gelingt mit seinem eindrucksvollen Spielfilmdebüt ein Einblick in die Erfahrungsdimensionen seines Protagonisten, dessen persönliche Motivation einer Rückkehr in die Kindheit von politischen Realitäten im Jetzt eingeholt wird. (dca)

LINGUI

Amina lebt mit ihrer 15-jährigen Tochter Maria in einem Vorort von N’Djamena. Durch Upcycling alter LKW-Reifen zu Feuerschalen verdient sie ihren Lebensunterhalt. Als Maria schwanger wird und sich zu einem Schwangerschaftsabbruch entschließt, ist Amina mit der Realität restriktiver Gesetzgebung und religiöser Verurteilung konfrontiert. Sie setzt alles daran, ihre Tochter dabei zu unterstützen, den bereits ihr selbst widerfahrenen Zyklus sexualisierter Gewalt zu durchbrechen und schlussendlich Rache zu üben, um an den strukturellen Mechanismen patriarchaler Vorherrschaft zu rütteln. LINGUI ist ein kraftvolles Plädoyer für Tatkraft und Resilienz angesichts widrigster Umstände. Mutter und Tochter erfahren Solidarität und Kinship durch den von Generation zu Generation weitergelebten Zusammenhalt unter Frauen im sozialen Gefüge, genannt Lingui, das heilige Band. (dp)

ATLANTIQUE

Dakar, zwischen Skeletten futuristischer Luxusbauten und der Realität der Arbeitssuchenden in der Baubranche. Ada, die den wohlhabenden Omar heiraten soll, wird heimgesucht von ihrem Geliebten Souleiman, der als unbezahlter Bauarbeiter bei der Überfahrt über den Atlantik auf offener See mit anderen Wirtschaftsflüchtenden ums Leben gekommen ist. Auf hypnotisch-fesselnde Weise erzählt Mati Diop die Geschichten jener Frauen die geblieben sind: Mütter, Schwestern und Geliebte jener um ihre Löhne geprellten Arbeitssuchenden, die in ihrem Migrationsbestreben an der verheerenden Asymmetrie globaler Migrationspolitik gescheitert sind. Ihre in Unfrieden von dieser Welt gegangenen Geister hallen nach. In einem kollektiven Akt begehren die trauernden Frauen auf gegen die kolossale Ungerechtigkeit und verlangen, dass die offene Rechnung von jenen beglichen wird, die die Verschärfung des sozialen Gefälles durch ihr Machtstreben zu verschulden haben. (dp)