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FREE SPACES

FREE SPACES zeichnet ein Bild von vier Metropolen Osteuropas, wie wir es noch nicht gesehen haben. Ina Ivanceanu folgte Künstler_innen und Aktivist_innen, die mit Witz und Kreativität ihr Recht auf die Stadt und auf Meinungsfreiheit behaupten. Ein Kino wird besetzt, ein alter sowjetischer Zirkus reaktiviert, eine düstere U-Bahn-Passage in eine glamouröse Arena verwandelt, ein stillgelegtes Fabriksareal zur kulturellen Agora umfunktioniert. Es werden die Ähnlichkeiten der Verhältnisse in vermeintlich unterschiedlichen Regionen wie Tiflis, Yerevan, Kishinau sichtbar – und sogar in Kiew, wo die Zivilgesellschaft, angeführt von Künstler_innen, auf die Barrikaden stieg. An all diesen Orten geht es um die Rückeroberung des öffentlichen Raums und den Kampf gegen neoliberale Strukturen.

DONNA HARAWAY: STORY TELLING FOR EARTHLY SURVIVAL

Im Jahr 1985 proklamierte Donna Haraway in ihrem bahnbrechenden Essay »A Cyborg Manifesto« Cyborgs als die neue Seinsweise des Menschen. Gelehrte auf dem Gebiet der Wissenschaften und Technologie, Feministin und Science-Fiction-Liebhaberin, arbeitet die 1944 geborene Haraway daran, Brücken zwischen »Science« und »Fiction» zu bauen. Der Filmemacher Fabrizio Terranova durfte sich mehrere Wochen bei Haraway und ihrem Hund Cayenne in ihrem Haus in Südkalifornien einquartieren und in Gesprächen deren persönliches Universum erkunden. Das Ergebnis ist ein rares, intellektuelles, stilistisch verspieltes, aber auch humorvoll-exzentrisches Porträt einer wirklich originellen Denkerin.

DER STOFF, AUS DEM TRÄUME SIND

Utopie: Wohnen!? Utopie: Gemeinschaft!? Welche gemeinschaftlichen Wohnformen werden gelebt, was steckt hinter der Idee von gemeinschaftlichem Eigentum und was ist eigentlich das Miethäusersyndikat? Lotte Schreiber und Michael Rieper portraitieren fünf selbstorganisierte und -verwaltete Wohnprojekte in Graz, Gänserndorf, Wien und Linz, die im Zeitraum 1975 bis 2015 entstanden sind. Erforscht werden gemeinsame Utopien, architektonische Prämissen, mit Zusammenleben einhergehende Konflikte und Bedürfnisse der Initiator_innen, Architekt_innen und Bewohner_innen.

UNDER THE UNDERGROUND

Eine kleine Welt tut sich auf, ein organisches Sammelsurium an kuriosen Geräten und Instrumenten: die Janka Industries, im Keller eines ehemaligen Wiener Fabrikgebäudes im 7. Bezirk. In den 1980er Jahren ein besetzter Ort, insbesondere zum Arbeiten und Leben, bloß nicht zum Wohnen. UNDER THE UNDERGROUND ruft Erinnerungen an die Anfänge wach, an Ratten, Papageien und andere ehemalige Gäste. Mittlerweile sind Studio und Proberäume gewachsen. Hier proben, recorden und kreieren Musiker_innen wie Schapka, Voodoo Jürgens und die MusikarbeiterInnenkapelle. Ein Musikfilm über analoges Hacking, Tüftelei, die Liebe zur Elektronik und zu den Dingen – die ultimative Undergroundhommage.

WHAT YOU GONNA DO WHEN THE WORLD’S ON FIRE?

Sommer 2017. Alton Sterling kommt durch rassistische Polizeigewalt zu Tode. Die wachsame Kamera folgt Protagonist_innen Louisianas und gibt Einblicke in die Realität von racial divide in allen Gesellschaftsbereichen. Gebannt beobachten wir jeden Blickwechsel, jedes Wortgefecht, jede Geste: die wortgewaltige Judy Hill, die unbeugsame Krystal Muhammad in der Black Panther Bewegung oder den 14-jährigen Ronaldo King, der seinem 9-jährigen Bruder Titus Turner zu zeigen versucht, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Titelgebend für das eindringliche Schwarzweiß-Porträt ist der Song des Country- und Bluessängers Lead Berry als Mahnmal, dass Demokratie nicht verhandelbar ist.

SIE IST DER ANDERE BLICK

Christiana Perschon hat fünf Künstlerinnen zum Dialog und zur Kollaboration in ihr Atelier geladen, die die zeitgenössische Kunst und das Selbstverständnis von Künstlerinnen in der Gegenwart geprägt haben: Renate Bertlmann, Linda Christanell, Lore Heuermann, Karin Mack und Margot Pilz. Sie erzählen von ihren künstlerischen Anfängen in einer männerdominierten Kunstwelt der 1960er und 1970er Jahre, in der sie sich patriarchalen Gesellschaftsstrukturen entgegengestellt und in ihrem Schaffen hinterfragt haben. Die kluge und unaufdringliche Inszenierung lässt den starken Protagonistinnen allen Raum in dieser inspirierenden Würdigung feministischer Aufbrüche.

SOFIA

Ein gewöhnliches Abendessen bei einer wohlhabenden Familie in Casablanca. Sofia fühlt sich unwohl, hat Bauchschmerzen und alsbald erkennt ihre Cousine den Blasensprung – 24 Stunden hat Sofia nun Zeit, einen Vater für das unerwartete Neugeborene zu bestimmen, um den strafrechtlichen Konsequenzen unehelich gelebter Sexualität zu entkommen. SOFIA ist ein packend in Szene gesetztes Drama: Verdrängte Schwangerschaft trifft auf Klassenfrage, Überrollt werden trifft auf Wunsch nach Liebe, un/gelebte Sexualität trifft auf Gesellschaftskritik, elterliche Erwartungshaltung trifft auf stille, jedoch entschlossene Rebellion der beeindruckenden Protagonistin. Am Ende nimmt Sofias Streben nach Selbstschutz eine gänzlich unerwartete Wendung.

QUIT STARING AT MY PLATE

Ein heißer, klebriger Sommer in Šibenik. Hitzig ist auch das Familiengefüge in der engen Zweizimmerwohnung, in der sich die 24-jährige Marijana, ihre Eltern und ihr Bruder gegenseitig auf die Füße treten. Als Marijanas Vater einen Schlaganfall erleidet und vom autoritären Familienoberhaupt zum Pflegefall wird, übernimmt sie die Verantwortung. Im Spagat zwischen Pflegeverpflichtungen und zwei Jobs, wächst in ihr die Sehnsucht nach Freiheit. Auf der Suche nach Abenteuern drängt sich die Frage auf, wie diese jedoch eigentlich aussieht. Die pointiert in Szene gesetzte Tragikomödie macht die Sehnsucht seiner Protagonistin, dargestellt von der umwerfenden Mia Petričević, regelrecht körperlich spürbar.

ALIFU, THE PRINCE/SS

Alifu hat sich in Taipeh, weit entfernt vom ländlichen Geburtsort, ein neues Leben aufgebaut. Die queere Wahlfamilie in der Hauptstadt gibt Liebe, Halt und Perspektiven. Alifus Vater wünscht sich, dass Alifu seine Nachfolge als Chief der Paiwan antritt, aber mit Alifus Lebensrealität lässt sich dieser Wunsch scheinbar schwer vereinbaren. Ein warmherziges Drama, basierend auf einer wahren Begebenheit, das Geschichten aus der Gemeinschaft um Alifu zu einer universellen Erzählung über Liebe und Anerkennung, Freund_innenschaft und Familie, Krankheit und Tod verwebt. Ein Film der mal in stillen Tönen und mal so zuckerlbunt-überbordend wie eine taiwanische Soap Opera berührt.

TASTE OF HOPE

Auf zum fröhlichen Lohndumping! Wie so viele Betriebe soll auch der Standort der Teefabrik Fralib von Frankreich nach Polen übersiedeln. Doch die Arbeiter_innen beschließen, die Verwaltung der Fabrik zu übernehmen und sich ihre eigenen Regeln zu machen. Laura Coppens begleitet sie in ihrem Prozess der Selbstverwaltung und dem Ausverhandeln eines Arbeitsalltags, in dem sich alle einbringen können, in dem Kompetenzen geteilt werden und wo auch der eine oder andere Tanzschritt zwischen Fließbändern Platz findet. In einer Welt, die vom Profitdenken und den Gesetzen der Ausbeutung Schwächerer beherrscht wird, zeigt TASTE OF HOPE einen alternativen Weg des solidarischen und gemeinschaftlichen Arbeitens.