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AS BOAS MANEIRAS

Clara, eine Krankenschwester aus einem Vorort São Paulos, wird von der wohlhabenden, hochschwangeren Ana als zukünftige Kinderbetreuerin engagiert. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich bald eine enge Beziehung. Als in einer schicksalshaften Nacht das Kind geboren wird, ändert sich alles: Denn der Vollmond hat einen besonderen Einfluss auf das Baby. GOOD MANNERS ist ein fantastisches modernes Märchen über bedingungslose Liebe. Irritierend, unkonventionell und animalisch – letzteres allerdings nur bei Vollmond – greift der Film mithilfe von Elementen des Werwolf-Topos Themen wie Sexualität und Rassismus in der brasilianischen Gesellschaft auf.

INLAND

Im Jahr der Nationalratswahl 2017 begleitet Ulli Gladik eine Kellnerin, einen Arbeitssuchenden und einen Beamten in ihrem Alltag, alle drei FPÖ-Fans. Die Regisseurin verhandelt im Gespräch mit den Protagonist_innen Meinungen und Motive, Wünsche und Enttäuschungen. Dabei werden Arbeitsbedingungen und die Rolle der Gewerkschaften genauso Thema wie Rassismus und Xenophobie. Jenseits des oftmals nicht unproblematischen Motivs „mit Rechten zu reden“ gelingt Ulli Gladik hier Austausch und Begegnung auf Augenhöhe und das, ohne gewaltvolle politische Ideologie zu verharmlosen oder zu legitimieren.

HAIR WOLF

»Deine Haare sind so schön, darf ich sie mal anfassen?« Alarm! Die weißen Zombies kommen, und sorgen mit ihren Selfie-Sticks im Haarsalon für Aufruhr. Sie sehnen sich nach funky Rihanna Hairstyling, durchs Schaufenster ringen sie röchelnd um die Gunst von Braiding-Exzellenz. Surreal und gewitzt geht es in Mariama Diallos dystopischem Zombie-Slasher zu und in all der Farbenpracht kommt auch das politische Moment nicht zu kurz, wenn die weißen Haarwolfsauger_innen die in ihrer Ignoranz unübertreffliche Punchline verlautbaren: All Lives Matter!

RAY & LIZ

Mit berührender Offenheit nimmt der britische Fotograf Richard Billingham sein eigenes Leben zum Sujet seines Spielfilmdebüts: Den alkoholkranken Vater Ray, die kettenrauchende Mutter Liz, den jüngeren Bruder Jason, die Tristesse eines zunehmend verwahrlosenden Elternhauses in einem Vorort von Birmingham, in das er 1970 hineingeboren wurde. Zwischendurch immer wieder zarte Momente von Nähe und Optimismus, ohne je in den billigen Kitsch eines Feelgood-Movies abzudriften. Billingham ist mit den Dämonen der Vergangenheit versöhnt: »Ich bin glücklich. Und – Sie werden es nicht glauben – ich war auch als Kind glücklich. Ich war immer ein glücklicher Mensch. Denn ich kannte es damals nicht anders.«

SKATE KITCHEN

Camille lebt auf Long Island, einsam dreht sie ihre Runden im kleinen Skatepark um die Ecke, bis sie sich gegen den Willen ihrer alleinerziehenden Mutter der Skate Kitchen anschließt und mit der exzentrischen Mädchengang aus Manhattan durch den Großstadtdschungel von New York cruist. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, lernt Camille wahre Freund_innenschaft kennen. Crystal Moselle’s Spielfilmdebüt basiert auf dem Instagram Feed der realen Skate Kitchen. In lichtdurchfluteten Bildern, ständig in Bewegung, zeigt sie fluide und feministische Identitätskonstruktionen, Freiheit, Zusammenhalt und die Bedeutung von Gemeinschaft im Erwachsenwerden.

WHAT YOU GONNA DO WHEN THE WORLD’S ON FIRE?

Sommer 2017. Alton Sterling kommt durch rassistische Polizeigewalt zu Tode. Die wachsame Kamera folgt Protagonist_innen Louisianas und gibt Einblicke in die Realität von racial divide in allen Gesellschaftsbereichen. Gebannt beobachten wir jeden Blickwechsel, jedes Wortgefecht, jede Geste: die wortgewaltige Judy Hill, die unbeugsame Krystal Muhammad in der Black Panther Bewegung oder den 14-jährigen Ronaldo King, der seinem 9-jährigen Bruder Titus Turner zu zeigen versucht, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Titelgebend für das eindringliche Schwarzweiß-Porträt ist der Song des Country- und Bluessängers Lead Berry als Mahnmal, dass Demokratie nicht verhandelbar ist.

SOFIA

Ein gewöhnliches Abendessen bei einer wohlhabenden Familie in Casablanca. Sofia fühlt sich unwohl, hat Bauchschmerzen und alsbald erkennt ihre Cousine den Blasensprung – 24 Stunden hat Sofia nun Zeit, einen Vater für das unerwartete Neugeborene zu bestimmen, um den strafrechtlichen Konsequenzen unehelich gelebter Sexualität zu entkommen. SOFIA ist ein packend in Szene gesetztes Drama: Verdrängte Schwangerschaft trifft auf Klassenfrage, Überrollt werden trifft auf Wunsch nach Liebe, un/gelebte Sexualität trifft auf Gesellschaftskritik, elterliche Erwartungshaltung trifft auf stille, jedoch entschlossene Rebellion der beeindruckenden Protagonistin. Am Ende nimmt Sofias Streben nach Selbstschutz eine gänzlich unerwartete Wendung.

阿莉芙, Ā LÌ FÚ

Alifu hat sich in Taipeh, weit entfernt vom ländlichen Geburtsort, ein neues Leben aufgebaut. Die queere Wahlfamilie in der Hauptstadt gibt Liebe, Halt und Perspektiven. Alifus Vater wünscht sich, dass Alifu seine Nachfolge als Chief der Paiwan antritt, aber mit Alifus Lebensrealität lässt sich dieser Wunsch scheinbar schwer vereinbaren. Ein warmherziges Drama, basierend auf einer wahren Begebenheit, das Geschichten aus der Gemeinschaft um Alifu zu einer universellen Erzählung über Liebe und Anerkennung, Freund_innenschaft und Familie, Krankheit und Tod verwebt. Ein Film der mal in stillen Tönen und mal so zuckerlbunt-überbordend wie eine taiwanische Soap Opera berührt.

MID90S

Los Angeles in den 1990er Jahren: Der 13-jährige Stevie wächst in herausfordernden Familienverhältnissen auf, in einer Zeit, in der Skateboarden sportliche Konventionen sprengt und man mit Mixtapes beeindrucken kann. Durch die Jungs aus dem Skateshop eröffnet sich ihm eine völlig neue Welt. Aber wie spricht man seine Idole an? Und wie erwirbt man ihren Respekt? Gedreht auf 16-mm-Film, mit einem Soundtrack von den Pixies über Morrissey bis zum Wu-Tang-Clan und Originalmusik von Trent Reznor und Atticus Ross, ist Jonah Hill, den man bisher nur vor der Kamera kannte, mit seinem Regiedebüt ein sensibles Jugenddrama gelungen, das durchdrungen ist von popkulturellen Referenzen.

FLATLAND

Ein Pferd, eine Pistole und zwei uns völlig in den Bann ziehende Charaktere, die sich ihren Weg durch weite Landstriche Südafrikas bahnen: die junge Natalie, frisch verheiratet, die in ihrer verheerenden Hochzeitsnacht jedoch sogleich wieder Reißaus nimmt, und die Kriminalpolizistin Beauty Cuba, die stets den Riecher für die richtige Fährte hat und niemals locker lässt. Jenna Cato Bass’ dritter Spielfilm ist eine subversive Hommage an das Western-Genre: Atemberaubend in der Bildgestaltung, feministisch in der Themensetzung, kompromisslos in seinen Figuren, die jedoch voller Widersprüche und Ambivalenzen stecken. In FLATLAND werden Waffen in unvermuteten Momenten gezückt, der Film zeichnet sich außerdem durch eine lustvolle Nahverwandtschaft zu triefenden Telenovelas aus.