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VICTORIA

In der Wüste Südkaliforniens liegt California City, eine in den 1950er Jahren geplante Stadt, die Los Angeles Konkurrenz machen sollte. Nur in den Sand gezogene Straßenzüge, verblasste Straßenschilder und einige wenige Siedlungen erinnern an die Mega-City, die bis heute nicht fertiggestellt wurde. Vor dieser abstrakten Kulisse lernen wir Lashay kennen, der seine turbulente Vergangenheit in L. A. hinter sich gelassen hat, um mit seiner Familie einen Neuanfang zu wagen. Über den Zeitraum von zwei Jahren begleiten wir das Suchen, Ankommen und Orientieren in dieser immensen Planstadt mitten in der Wüste. Virtuelle Stadtansichten, Handyvideos und dokumentarische Bilder lassen hoffnungsvolle Lebensrealität und gescheiterte Stadtimagination in einem gespaltenen Land aufeinandertreffen und geben Einblick in das Leben der wenigen Bewohner_innen einer geisterhaft leeren Stadt.

INLAND

Im Jahr der Nationalratswahl 2017 begleitet Ulli Gladik eine Kellnerin, einen Arbeitssuchenden und einen Beamten in ihrem Alltag, alle drei FPÖ-Fans. Die Regisseurin verhandelt im Gespräch mit den Protagonist_innen Meinungen und Motive, Wünsche und Enttäuschungen. Dabei werden Arbeitsbedingungen und die Rolle der Gewerkschaften genauso Thema wie Rassismus und Xenophobie. Jenseits des oftmals nicht unproblematischen Motivs „mit Rechten zu reden“ gelingt Ulli Gladik hier Austausch und Begegnung auf Augenhöhe und das, ohne gewaltvolle politische Ideologie zu verharmlosen oder zu legitimieren.

DER STOFF, AUS DEM TRÄUME SIND

Utopie: Wohnen!? Utopie: Gemeinschaft!? Welche gemeinschaftlichen Wohnformen werden gelebt, was steckt hinter der Idee von gemeinschaftlichem Eigentum und was ist eigentlich das Miethäusersyndikat? Lotte Schreiber und Michael Rieper portraitieren fünf selbstorganisierte und -verwaltete Wohnprojekte in Graz, Gänserndorf, Wien und Linz, die im Zeitraum 1975 bis 2015 entstanden sind. Erforscht werden gemeinsame Utopien, architektonische Prämissen, mit Zusammenleben einhergehende Konflikte und Bedürfnisse der Initiator_innen, Architekt_innen und Bewohner_innen.

SUPA MODO

Jo ist ein ausgesprochener Fan von Comics und Actionheld_innen, sie wünscht sich drei Dinge sehnlichst: Fliegen können, einen Film drehen und darin selbst die Hauptrolle spielen. Die standhafte Wunschkraft der schwerkranken 9-Jährigen mischt den Alltag der Bewohner_innen Mawenis kräftig auf. Mit selbstgemachten extravaganten Kostümen und Kulissen wird die Stadt in eine Bühne für die junge Superheldin verwandelt, die auch Raum gibt für individuelle Zugänge zum Abschiednehmen. Einfühlsam erzählt SUPA MODO von wahren Superheld_innen: Anstatt eines weiteren Comic-Abenteuers haben wir es mit einer ausgefeilt fantasievollen Reise zu tun, die nicht zuletzt von der Hingabe zur Kunst des Filmemachens erzählt.

UNDER THE UNDERGROUND

Eine kleine Welt tut sich auf, ein organisches Sammelsurium an kuriosen Geräten und Instrumenten: die Janka Industries, im Keller eines ehemaligen Wiener Fabrikgebäudes im 7. Bezirk. In den 1980er Jahren ein besetzter Ort, insbesondere zum Arbeiten und Leben, bloß nicht zum Wohnen. UNDER THE UNDERGROUND ruft Erinnerungen an die Anfänge wach, an Ratten, Papageien und andere ehemalige Gäste. Mittlerweile sind Studio und Proberäume gewachsen. Hier proben, recorden und kreieren Musiker_innen wie Schapka, Voodoo Jürgens und die MusikarbeiterInnenkapelle. Ein Musikfilm über analoges Hacking, Tüftelei, die Liebe zur Elektronik und zu den Dingen – die ultimative Undergroundhommage.

EXIT THROUGH THE GIFT SHOP

Der französische Hobbyfilmer Thierry Guetta ist entschlossen, den Street-Art-Künstler Banksy aufzuspüren – was ihm auch gelingt – und seine Interventionen im öffentlichen Raum zu dokumentieren. Doch er entpuppt sich nicht nur als dilettantischer Regisseur, sondern auch als inkompetenter Cutter. Kurzerhand übernimmt Banksy das Projekt und richtet die Kamera auf Guetta, der sich nun unter dem Pseudonym »Mr. Brainwash« selbst als Künstler versuchen soll. 10 Jahre nach ihrem Entstehen hat die furiose Mischung aus Mockumentary, Kunstbetriebs-Persiflage, Künstlerporträt und Meta-Kunstfilm – in Banksys eigenen Worten »the world’s first street art disaster movie« – nichts an Aktualität eingebüßt.

WHAT YOU GONNA DO WHEN THE WORLD’S ON FIRE?

Sommer 2017. Alton Sterling kommt durch rassistische Polizeigewalt zu Tode. Die wachsame Kamera folgt Protagonist_innen Louisianas und gibt Einblicke in die Realität von racial divide in allen Gesellschaftsbereichen. Gebannt beobachten wir jeden Blickwechsel, jedes Wortgefecht, jede Geste: die wortgewaltige Judy Hill, die unbeugsame Krystal Muhammad in der Black Panther Bewegung oder den 14-jährigen Ronaldo King, der seinem 9-jährigen Bruder Titus Turner zu zeigen versucht, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Titelgebend für das eindringliche Schwarzweiß-Porträt ist der Song des Country- und Bluessängers Lead Berry als Mahnmal, dass Demokratie nicht verhandelbar ist.

SIE IST DER ANDERE BLICK

Christiana Perschon hat fünf Künstlerinnen zum Dialog und zur Kollaboration in ihr Atelier geladen, die die zeitgenössische Kunst und das Selbstverständnis von Künstlerinnen in der Gegenwart geprägt haben: Renate Bertlmann, Linda Christanell, Lore Heuermann, Karin Mack und Margot Pilz. Sie erzählen von ihren künstlerischen Anfängen in einer männerdominierten Kunstwelt der 1960er und 1970er Jahre, in der sie sich patriarchalen Gesellschaftsstrukturen entgegengestellt und in ihrem Schaffen hinterfragt haben. Die kluge und unaufdringliche Inszenierung lässt den starken Protagonistinnen allen Raum in dieser inspirierenden Würdigung feministischer Aufbrüche.

TRANSNISTRA

Freund_innenschaft in einem schier endlosen Sommer, ständig beisammen, ständig draußen, ständig unterwegs. Seinen jugendlichen Protagonist_innen ist die Kamera in Anna Eborns Dokumentarfilm ein streunender Begleiter. Die Jugendlichen eignen sich Räume an, spielen, denken, leben und lieben von Tag zu Tag. Die betonte Körperlichkeit der Gruppe übersetzt sich in wunderbare warme, lichtdurchflutete Filmbilder und fast nebenbei wird der durchaus nicht immer einfache Alltag einzelner Familien dieser Kleinstadt in Transnistrien miterzählt. Eine berührende Geschichte über das Erwachsenwerden, die an einen spezifischen Ort gebunden ist und dennoch fast überall stattfinden könnte.

阿莉芙, Ā LÌ FÚ

Alifu hat sich in Taipeh, weit entfernt vom ländlichen Geburtsort, ein neues Leben aufgebaut. Die queere Wahlfamilie in der Hauptstadt gibt Liebe, Halt und Perspektiven. Alifus Vater wünscht sich, dass Alifu seine Nachfolge als Chief der Paiwan antritt, aber mit Alifus Lebensrealität lässt sich dieser Wunsch scheinbar schwer vereinbaren. Ein warmherziges Drama, basierend auf einer wahren Begebenheit, das Geschichten aus der Gemeinschaft um Alifu zu einer universellen Erzählung über Liebe und Anerkennung, Freund_innenschaft und Familie, Krankheit und Tod verwebt. Ein Film der mal in stillen Tönen und mal so zuckerlbunt-überbordend wie eine taiwanische Soap Opera berührt.