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MIDNIGHT FAMILY

Den neun Millionen Menschen, die in in Mexiko-Stadt leben, stehen nur 45 staatliche Rettungswägen zur Verfügung. Aus dem dysfunktionalen staatlichen Gesundheitssystem ist ein Parallelsystem entwachsen, in dem das Retten von Menschenleben – ohne Ausbildung und Lizenz – ein Geschäftsmodell für Menschen ist, die dabei selbst um ihr Überleben kämpfen. In seinem Dokumentarfilm folgt Luke Lorentzen einer Familie, die einen solchen privaten Rettungswagen betreibt, in schwindelerregenden Nachtfahrten mit erhöhtem Puls durch die verstopften Straßen der Metropole. Unter den Ambulanzfahrer_innen herrscht großer Konkurrenzdruck, Korruption und Bestechung sind Teil eines vom systemimmanenten Mangel geprägten Alltags. Es ist ein Kampf, der die Protagonist_innen täglich an ihre Grenzen bringt, aufgerieben im wirtschaftlichen und moralischen Prekariat.

LUSALA

Als Kind wurde Lusala von einer wohlhabenden Familie adoptiert. Mit dem Umzug in seine eigene Wohnung und der neuen Selbständigkeit als Mechaniker beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Doch anstatt als junger Erwachsener Zukunftspläne zu schmieden, muss sich Lusala seinem Innenleben stellen. Zunehmend wird er von traumatischen Erinnerungen an Gewalterfahrungen in seiner Kindheit eingeholt. Die Fragilität und Zerrissenheit Lusalas lässt das Storytelling zwischen dem Austragen innerer Kämpfe und der Auseinandersetzung mit den Geistern der Vergangenheit oszillieren. In seinem Regiedebüt berührt Mugambi Nthiga die emotionalen Tiefen einer Metropole. LUSALA erzählt von patriarchalen Gewaltstrukturen, klassenqueren Familiengefügen, Konstruktionen von Männlichkeit und der Verletzlichkeit im Erwachsenwerden.

A FEBRE

Justino arbeitet im Sicherheitsdienst im Hafen Manaus, seine Tochter Vanessa ist entschlossen, ein Medizinstudium zu absolvieren. In der urbanen Amazonasregion scheint der Erinnerungskosmos Justinos als Desana-Indigenous längst verblasst zu sein, bis er von einem un­erklärlichen Fieber und Traumzuständen heimgesucht wird. Auf seinem nächtlichen Heimweg durch die Stadt in das abgelegene Zuhause begegnet er einem geheimnisvollen Raubtier, dessen vage Erscheinungsform Zwischenwelten von Realem und Imaginiertem öffnet. Mit ihrem einfühlsamen und spannungsgeladenen Spielfilmdebüt schafft Maya Da-Rin großes Erzählkino. A FEBRE erzählt von zurückgelassener Vergangenheit und spiritueller Kraft als poetische Wegbegleiterin. Tiefgründige Bildkomposition und durchdachtes Sound Design verknüpfen Traum, Krankheit und die Komplexität von harter Arbeitsrealität und prekärem Gesundheitssystem.