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MARE

Während die Flugzeuge tagein, tagaus in den blauen Himmel starten, bleibt Mare am Boden. Geflogen ist sie noch nie, obwohl sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern direkt neben dem Flughafen von Dubrovnik lebt. Mares Partner Đuro ist ihre Jugendliebe, sie selbst eine engagierte Mutter. Doch als eines Tages Piotr unerwartet in der Nachbar_innenschaft auftaucht, erwacht in ihr eine ungeahnte Sehnsucht nach Unabhängigkeit. In ihrer dritten Zusammenarbeit zeichnen die Filmemacherin Andrea Štaka und die Schauspielerin Marija Škaričić das impulsive wie intime Porträt einer Frau, die sich in einem von Notwendigkeiten und Pragmatismus bestimmten Alltag ein Stück Freiheit zurück erkämpft.

VICTORIA

In der Wüste Südkaliforniens liegt California City, eine in den 1950er Jahren geplante Stadt, die Los Angeles Konkurrenz machen sollte. Nur in den Sand gezogene Straßenzüge, verblasste Straßenschilder und einige wenige Siedlungen erinnern an die Mega-City, die bis heute nicht fertiggestellt wurde. Vor dieser abstrakten Kulisse lernen wir Lashay kennen, der seine turbulente Vergangenheit in L. A. hinter sich gelassen hat, um mit seiner Familie einen Neuanfang zu wagen. Über den Zeitraum von zwei Jahren begleiten wir das Suchen, Ankommen und Orientieren in dieser immensen Planstadt mitten in der Wüste. Virtuelle Stadtansichten, Handyvideos und dokumentarische Bilder lassen hoffnungsvolle Lebensrealität und gescheiterte Stadtimagination in einem gespaltenen Land aufeinandertreffen und geben Einblick in das Leben der wenigen Bewohner_innen einer geisterhaft leeren Stadt.

A FEBRE

Justino arbeitet im Sicherheitsdienst im Hafen Manaus, seine Tochter Vanessa ist entschlossen, ein Medizinstudium zu absolvieren. In der urbanen Amazonasregion scheint der Erinnerungskosmos Justinos als Desana-Indigenous längst verblasst zu sein, bis er von einem un­erklärlichen Fieber und Traumzuständen heimgesucht wird. Auf seinem nächtlichen Heimweg durch die Stadt in das abgelegene Zuhause begegnet er einem geheimnisvollen Raubtier, dessen vage Erscheinungsform Zwischenwelten von Realem und Imaginiertem öffnet. Mit ihrem einfühlsamen und spannungsgeladenen Spielfilmdebüt schafft Maya Da-Rin großes Erzählkino. A FEBRE erzählt von zurückgelassener Vergangenheit und spiritueller Kraft als poetische Wegbegleiterin. Tiefgründige Bildkomposition und durchdachtes Sound Design verknüpfen Traum, Krankheit und die Komplexität von harter Arbeitsrealität und prekärem Gesundheitssystem.

SKATE KITCHEN

Camille lebt auf Long Island, einsam dreht sie ihre Runden im kleinen Skatepark um die Ecke, bis sie sich gegen den Willen ihrer alleinerziehenden Mutter der Skate Kitchen anschließt und mit der exzentrischen Mädchengang aus Manhattan durch den Großstadtdschungel von New York cruist. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, lernt Camille wahre Freund_innenschaft kennen. Crystal Moselle’s Spielfilmdebüt basiert auf dem Instagram Feed der realen Skate Kitchen. In lichtdurchfluteten Bildern, ständig in Bewegung, zeigt sie fluide und feministische Identitätskonstruktionen, Freiheit, Zusammenhalt und die Bedeutung von Gemeinschaft im Erwachsenwerden.

NE GLEDAJ MI U PIJAT

Ein heißer, klebriger Sommer in Šibenik. Hitzig ist auch das Familiengefüge in der engen Zweizimmerwohnung, in der sich die 24-jährige Marijana, ihre Eltern und ihr Bruder gegenseitig auf die Füße treten. Als Marijanas Vater einen Schlaganfall erleidet und vom autoritären Familienoberhaupt zum Pflegefall wird, übernimmt sie die Verantwortung. Im Spagat zwischen Pflegeverpflichtungen und zwei Jobs, wächst in ihr die Sehnsucht nach Freiheit. Auf der Suche nach Abenteuern drängt sich die Frage auf, wie diese jedoch eigentlich aussieht. Die pointiert in Szene gesetzte Tragikomödie macht die Sehnsucht seiner Protagonistin, dargestellt von der umwerfenden Mia Petričević, regelrecht körperlich spürbar.

TRANSNISTRA

Freund_innenschaft in einem schier endlosen Sommer, ständig beisammen, ständig draußen, ständig unterwegs. Seinen jugendlichen Protagonist_innen ist die Kamera in Anna Eborns Dokumentarfilm ein streunender Begleiter. Die Jugendlichen eignen sich Räume an, spielen, denken, leben und lieben von Tag zu Tag. Die betonte Körperlichkeit der Gruppe übersetzt sich in wunderbare warme, lichtdurchflutete Filmbilder und fast nebenbei wird der durchaus nicht immer einfache Alltag einzelner Familien dieser Kleinstadt in Transnistrien miterzählt. Eine berührende Geschichte über das Erwachsenwerden, die an einen spezifischen Ort gebunden ist und dennoch fast überall stattfinden könnte.