Montag, 4. Oktober 2021
20:00 Uhr

IN TOUCH [PLAY]

Kurzfilmprogramm [40 min] & Talk
aus der Reihe Kaleidoskop. Fragmente. Im Kino.

LE STUDIO Film und Bühne
Liechtensteinstraße 37, 1090 Wien
Straßenbahn D & Autobus 40A
(Haltestelle »Bauernfeldplatz«)
ᐅ anzeigen in Stadtplan Wien
ᐅ lestudio.at

Eintritt frei!
Keine Reservierung erforderlich.
COVID-19-Präventionsmaßnahmen: Registrierung beim Eingang, gültiger 3-G-Nachweis und Mund-Nasen-Schutz erforderlich.

OmeU – Filme in Originalfassungen mit englischen Untertiteln
OV – Films in original version with English subtitles

IN TOUCH [PLAY] beschäftigt sich mit sensorischen Komponenten des Mediums Film, die über die reine Sehrezeption hinausgehen.

Das zunehmend durcheinanderwirbelnde Schneegestöber hat in -5°C 40% rF eine Verdichtung der weißen Punkte und Linien zufolge. Die bei minus 5 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 40% erzeugten Bildaufnahmen veranschaulichen einen Naturraum und deren Transformation durch künstlichen Eingriff und künstlerische Inszenierung, wohingegen die in einem Gemeindebau über den Dächern Wiens angesiedelte Blattschneiderbiene von direktem Austausch und feinfühligem Miteinander zwischen nähesuchendem Mensch und eifrig nestbauender Amsel erzählt. Only Two Words nimmt Übersetzungsarbeit als Anlass, um die inspirierende Begegnung zwischen der US-amerikanischen Dichterin und lesbischen Ikone der New Yorker Poesieszene Eileen Myles und der post-sowjetischen, queeren bildenden Künstlerin und Filmemacherin in einen filmischen Dialog zu übersetzen, der neben Bildern und Stimmen auch Affekte, Erinnerungen, Verluste und die Intensität einer queeren Existenz zu Wort kommen lässt. Der Hybridfilm STA!, angesiedelt zwischen Musikclip, Dokumentarfilm und künstlerischer Performance im nächtlichen Wien, veranlasst Reflexion zu kollektiven Lebensformen und freien Räumen an Körperpolitiken und -praktiken, die sich hegemonialen Konzepten zu Sexualität, Gender und Identität widersetzen. The Soft Space zerlegt Raumaufnahmen von Korridoren, Treppenaufgängen und Plattformen einer U-Bahn-Station mit Körperfragmenten und nimmt dadurch auf jene transitorischen Räume, die viele täglich queren, als existenzielle Referenzpunkte eines Nebeneinanders Bezug. Sexuelle Selbsterkundung steht wiederum in Solitary Acts #5 im Zentrum, und zwar angeordnet in der Oszillation zwischen körperlichem Überkonsum und Oralfixiertheit, welche den Rezipient_innen Eigenintervention überträgt im Spüren und physischen Erfassen von Sound, Bild und visuellen Pleasures. Der Button [PLAY] des Programms IN TOUCH macht Sinnlichkeit, Körperlichkeit, Berührungspunkte und Teilhabe in einem kollektiven Zusammenkommen greifbar und konfrontiert mit den Auswirkungen von körperlichen Distanzierungsmechanismen.

-5°C 40% rF
Simona Obholzer, 2017, 7:22 min


Snow flurries that swallow all of the sounds, and also the colors. Rather than a romantic, idyllic scene of winter, a silent, powerful drift of pixels, disorientation, white noise – uncanny, apocalyptic, ecstatic, until the view clears, the image opens to a long shot; disenchanting – the natural phenomenon in the age of its mechanical (re-)production. (Diagonale)

Schneetreiben, das nicht nur alle Geräusche verschluckt, sondern auch die Farben. Statt romantischem Winteridyll ein stummes, gewaltiges Gestöber aus Bildpunkten, Orientierungslosigkeit, weißes Rauschen – unheimlich, apokalyptisch, ekstatisch, bis die Sicht aufklart, das Bild sich zur Totalen öffnet: entzaubernd – das Naturereignis im Zeitalter seiner technischen (Re-)Produzierbarkeit. (Diagonale)

Blattschneiderbiene
Renate Schweiger, 1977, 7 min (Exzerpt)


Above the rooftops of Vienna, the filmmaker approaches the regular guests on her balcony with her camera. In loving observation, we follow the little blackbird and the eager nest-building of the leafcutter bee, which repeatedly appears between cacti and sunflowers only to disappear again in the hole in the ground. A delicate interplay of closeness and distance that dissolves into touch. From the collection of the Austrian Film Museum.

In einem Gemeindebau über den Dächern Wiens nähert sich die Filmemacherin ihren Balkongästen. In liebevoller Beobachtung folgen wir der kleinen Amsel und dem eifrigen Nestbau der Blattschneiderbiene, die immer wieder zwischen Kakteen und Sonnenblumen auftaucht, nur um wenig später wieder im Erdloch zu verschwinden. Ein feinfühliges Wechselspiel von Nähe und Distanz, das sich in Berührung auflöst. Aus der Sammlung des Österreichischen Filmmuseums.

Only Two Words
Masha Godovannaya, 2018, 9:49 min


The film is based on two poems – Holes and Bone ­– by American poet Eileen Myles, the iconic lesbian voice and permanent figure of the poetic New York scene. In the May of 2017, she came to St. Petersburg, Russia, to present a book – the first published Russian translations of her selected poems. The film is a dialog between Eileen and me, post-soviet queer visual artist. It’s an attempt to put different worlds and queer experiences in a cinematic form, borrowing and sharing with each other images, words, voices, affects, memories, encounters, losses, and intensity of lesbian/queer existence. (Masha Godovannaya)

Der Film basiert auf Holes und Bone, zwei Gedichten der amerikanischen Dichterin und lesbischen Ikone der New Yorker Poesieszene Eileen Myles. Im Mai 2017 kam sie nach St. Petersburg, Russland, um dort ihr Buch mit einer Auswahl an erstmals ins Russische übersetzten Gedichten vorzustellen. Der Film ist ein Dialog zwischen Eileen und mir, einer post-sowjetischen, queeren bildenden Künstlerin. Ein Versuch, verschiedene Welten und queere Erfahrungen in eine filmische Form zu bringen, indem Bilder, Worte, Stimmen, Affekte, Erinnerungen, Begegnungen, Verluste und die Intensität der lesbischen/queeren Existenz entlehnt und miteinander geteilt werden. (Masha Godovannaya)

STA!
Pêdra Costa, 2017, 6:06 min


In an experimental hybrid of music clip, documentary film, and art performance, Pêdra Costa reflects on the collective living conditions and free spaces of bodies that question hegemonic concepts of sexuality, gender, and identity. A queer, dazzling trip through places in the nocturnal Viennese world where companionship and pleasure can be experienced without violence. (Diagonale)

In einem experimentellen Hybrid aus Musikclip, Dokumentarfilm und Kunstperformance reflektiert Pêdra Costa die kollektiven Lebensbedingungen und Freiräume jener Körper, die hegemoniale Konzepte von Sexualität, Geschlecht und Identität infrage stellen. Ein queerer, schillernder Trip durch die Wiener Nachtwelt, in der Gemeinschaft und Freude jenseits von Gewalt erfahren werden. (Diagonale)

The Soft Space
Sofia Bohdanowicz & Melanie Scheiner, 2018, 4:04 min


The corridors, stairways and platforms of a subway station are juxtaposed with the human body, each broken into parts and positioned in an existential consideration of the transient spaces we unconsciously traverse everyday.

Ein Nebeneinander von menschlichen Körpern, Korridoren, Treppenaufgängen und Plattformen einer U-Bahn-Station. Zerlegt in Bild- und Körperfragmente und in existenzieller Bezugnahme auf die transitorischen Räume, die wir täglich unbewusst queren.

Solitary Acts #5
Nazlı Dinçel, 2015, 5:25 min


Nazlı Dinçel is interested in using sex as a subversive force, a force that is capable of deleting meaningless social structures, or stereotypical conventions of females in society and in the art world. In Solitary Acts #5, the filmmaker films herself practices kissing with a mirror. She recalls teenage memories of overconsumption, confusing oral fixations that are both sexual (kissing) and bodily (eating). She ends up eating the carrot she is masturbating with, and she feels a sense of cannibalism. The components of the background of the scene are filmed in extreme closeups that play with one another and oscillate between overconsumption and being wiped out. Dinçel’s work intends to provoke a visceral feeling of presence that should put her audience in a mode of self-intervention: the sense of touching, physically capturing the sound of her images and the visual pleasures of perfections and imperfections of her process.

Nazlı Dinçels Arbeiten beschäftigen sich mit subversiver Kraft von Sexualität, indem sie sinnentleerte, jedoch in Gesellschaft und Kunstwelt wirkmächtige soziale Strukturen und gegenderte stereotype Konventionen auslöscht. Solitary Acts #5 ist Teil des Triptychons einer jungen Frau im Prozess sexueller Selbsterkundung. Die Filmemacherin ruft Jugenderinnerungen zu Überkonsum wach, wo Oralfixiertheit zwischen sexueller und körperlicher Ausdrucksform oszilliert. Mittels extremen Close-Ups wird unser Blick eingesogen in ihren Akt des Spiegelküssens oder des Verspeisens jener Karotte, mit der sie zuvor masturbiert hat und die ihre kannibalen Empfindungen verstärkt. Während Textpartikel im Frame an Dimensionsgewalt zunehmen und die verbleibenden Bildkomponenten beschlagnahmen, werden wir mit der arbeitsintensiven 16mm-Textur vertraut gemacht, die das tiefsitzende Gefühl von Präsenz vermittelt. So ermöglicht das filmische Medium uns Rezipient_innen die Eigenintervention im Spüren und physischen Erfassen von Sound, Bild und visuellen Pleasures …