ON HOLD

ON HOLD [PAUSE] macht Stillstand und Leerstellen, leere (Kino-)Räume, Produktionsstopp, das Verschwinden und Unsichtbarmachen von Künstler_innen und Kulturarbeiter_innen zum Thema.

Aufnahmen menschenleerer Strände, karge Landschaftsdarstellungen mit Dünen, Küsten und Sträuchern inmitten eines Licht- und Schattenspiels in A Proposal to Project in Scope lässt uns annähern an das gleichzeitige Dasein von Fülle und Leere, während uns der besonnene Blick auf sich verändernde Wolkenformationen aus einem Flugzeugfenster in Wolken mit kontemplativer Einsamkeit konfrontiert. Diese manifestiert sich auch in den leergelassenen Sitzreihen in ARENA, wo das Stadium weder Spektakel zur Schau gibt, noch in Kontakt tritt mit dem Publikum, dessen Anwesenheit eine reine Vermutung bleibt. Auch in Exile Exotic lassen die historischen Simulakren wie eine Nachbildung des Kremls etwa auf touristische Blicke warten, stattdessen macht uns Sasha Litvintseva mit der Polemik der exotischen Anfänge von Exil vertraut, indem sie uns auf die sich durch die russische Geschichte ziehende Einschränkung des freien Personenverkehrs aufmerksam macht.

to forget wiederum visualisiert den Prozess des Vergessens in ausgeblichenen, weit zurückliegenden Bildaufnahmen, sodass nur mehr Bruchstücke von urbanen Skylines, eines Meeres oder Stück Himmels zu erahnen sind und somit die komplexe Frage der Archivierung, Digitalisierung und dem Festhalten an Vergangenem und dem Nicht-Sichtbaren innerhalb einer stark ausgeprägten Gedächtniskultur aufwirft. Die vermeintlich entgegengesetzten, dennoch korrelierenden Themen Kino und Konflikt, Zeit und Arbeit, Erinnerung und Repräsentation werden in The Protagonists mittels assoziativer und symbolischer Bildsprache in ihrer zusammenspielenden Komplexität aufgezeigt. Die Kompilation von Filmcredits in Titoli Fine beendet das Programm ON HOLD, dessen Symbol der [PAUSE] auf die Absenz, sowie auf die Verlagerung und Übersetzung von Bildern verweist und temporäre Leere und Stille aufgreift.

A Proposal to Project in Scope
Viktoria Schmid, 2020, 8 min


Panoramatic takes of the Lithuanian coastal landscape. Then the pictorial space narrows, forces the gaze to a scope screen animated by the sunlight and shadows of trees. A projection surface for contemplating the cinematic dispositif—an irresistible invitation to see film and the cinema differently. (Diagonale)

Panoramatische Einstellungen von der litauischen Küstenlandschaft. Dann verengt sich der Bildraum, forciert den Blick auf eine Leinwand im Scope-Format, die von Sonnenlicht und den Schatten der Bäume bespielt wird. Eine Projektionsfläche für das Nachdenken über das filmische Dispositiv – die unwiderstehliche Einladung, Film und Kino anders zu sehen. (Diagonale)

Wolken
Idar Johannessen, 1972, 2 min


The view from the window of a plane caresses white cloud formations on a blue sky. The reduced cinematography draws on sober-mindedness, the excerpt without sound enables the sensation of contemplation. From the collection of the Austrian Film Museum.

Der Blick auf weiße Wolkenformationen auf blauem Himmel von einem Flugzeugfenster aus. Die fixe Kameraeinstellung hinterlässt das Gefühl von Besonnenheit, während der stille Filmauszug gleichzeitig Kontemplation vermittelt. Aus der Sammlung des Österreichischen Filmmuseums.

ARENA
Björn Kämmerer, 2018, 5:05 min


A tension generating visual arrangement: rows of empty seats, which in their framing suggest an outdoor setting. This is the sole take shown in Björn Kämmerer’s 70mm experiment ARENA. However, a minimal shift in camera position seems to set the supposedly fixed seats in motion, and at the same time, topples a seemingly safe spectator position. We see what we see, but doubts still arise as to whether we can truly trust our eyes. (Diagonale)

Eine visuelle Anordnung, die Spannung erzeugt: Reihen leerer Sitze, die in der Kadrierung ein Außen suggerieren. Mehr als diese Einstellung zeigt Björn Kämmerers 70mm-Experiment ARENA nicht. Eine minimale Verschiebung der Kameraposition scheint die vermeintlich fixierten Sitze jedoch in Bewegung zu versetzen und bringt zugleich die sicher geglaubte Betrachter/ innenposition ins Wanken. Wir sehen, was wir sehen, und doch kommen Zweifel auf, ob wir unseren Augen wirklich trauen können. (Diagonale)

Exile Exotic
Sasha Litvintseva, 2015, 14 min


Steeped in elliptical history and historical simulacra, Exile Exotic is set at a hotel that is a replica of the Kremlin. Narrating the exotic beginnings of exile, the film allows Sasha Litvintseva and her mother to revisit the Kremlin, albeit by the side of a pool. Soundtracked by an operatic score reminiscent of the song of the sirens making Odysseus stray on his long journey home, the story reverberates throughout the scope of Russian history’s limiting of free movement of individuals. This film is a pilgrimage. This film comes in waves.

Durchtränkt von elliptischen Geschichte(n) und historischen Simulakren, ereignet sich Exile Exotic in einem Hotel, das dem Kreml nachempfunden ist. Der Film erzählt die exotischen Anfänge ihres Exils und ermöglicht Sasha Litvintseva und ihrer Mutter, den Kreml erneut zu besuchen, wenn auch am Beckenrand eines Swimmingpools. Die Handlung wird von einer Opernpartitur begleitet, die an das Lied der Sirenen erinnert, das Odysseus auf seiner Heimreise in die Irre führt, und spiegelt den Umfang der Einschränkung des freien Personenverkehrs wider, der sich durch die russische Geschichte zieht. Dieser Film ist eine Wallfahrt. Dieser Film kommt in Wellen.

to forget
Lydia Nsiah, 2019, 17 min


A journey captured on outdated film material that visualizes the process of forgetting in images that are faded, discolored, tilted, cross-faded, or abstracted through movement—in non-images. Through a surreal sound design and grandiose trance-like composition, to forget (or to get) makes tangible the transformation of memory as an uncanny experience. (Diagonale)

Eine auf abgelaufenem Filmmaterial festgehaltene Reise, die in verblassten, verfärbten, gekippten, überblendeten oder durch Bewegung abstrahierten Bildern – in Nicht-Bildern – den Prozess des Vergessens visualisiert. Durch surreales Sounddesign und eine grandios tranceartige Komposition macht to forget (oder to get) die Transformation als unheimliche Erfahrung spürbar. (Diagonale)

The Protagonists
Gabi Dao, 2019, 8:09 min


The Protagonists is a conflation of themes surrounding the intersections of cinema and conflict, time and labour, memory and representation. Throughout the hypnagogic landscape of the video, the associative and symbolic imagery aims to complicate these themes. (Gabi Dao)

Kino und Konflik, Zeit und Arbeit, Erinnerung und Repräsentation. The Protagonists bringt diese unterschiedlichenThemensetzungen zusammen, indem Gabi Dao deren Überschneidungsflächen nachgeht und diese durch Überblendungen und Animationssequenzen schier ineinander verschmelzen. Die sich durch das gesamte Video ziehende Landschaft wirkt fast einschläfernd, während die assoziative und symbolische Bildsprache des Videos darauf abzielt, alle behandelten Themen zu verkomplizieren.

Titoli Fine
Eustachio Stagno, 1965, 4 min


A compilation of handmade opening titles. From the collection of the Austrian Film Museum.