7. Juli 2020

OVERLOAD [EJECT]

Ein künstliches Störbild. Es knüpft an das Motiv »Hier gibt es nichts zu sehen« an, Pausenmodus: ON HOLD [PAUSE]. Wieder gibt es nichts zu sehen, dieses Mal ein Zuviel davon, transformiert zu OVERLOAD [EJECT].

Das Weiß des »Hier gibt es nichts zu sehen« kann auch als Auslöschung gelesen werden, ein Nacheinander von projizierten Einzelbildern, das in einer strahlend weißen Leinwand resultiert, auf der nichts mehr erkennbar ist. Der japanische Künstler Hiroshi Sugimoto nutzt in seinem 1976 begonnenen Langzeitprojekt Theaters das reflektierte Licht unterschiedlicher Filme, um die Struktur des jeweiligen Kinosaals in einer Langzeitbelichtung über die gesamte Filmdauer hinweg sichtbar zu machen. Beinahe ephemer erscheinen die daraus resultierenden Abbilder der Filmtheater, und die leeren Sitzreihen oder die zur Gänze verlassenen Orte nehmen die Bilder des Lockdowns in der Pandemie gespenstisch vorweg.

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Anstatt mögliche Bilder nacheinander zu reihen, zeigt das Störbild (Einzel-)Bilder gleichzeitig und nebeneinander, in einer möglichst hohen Auflösung als vielfarbiges und feinmaschig fragmentiertes Granulat. Eine möglichst hohe Auflösung nimmt Debatten zu immer feineren Bildern als vermeintlich technisches Zukunftsideal des Bewegtbilds selbst ins Visier. 2K (Full HD), 4K (Ultra HD), 8K (Ultra HD) – Verweise auf das Fehlen einer eigenen Bezeichnung dieser aktuell verdichteten Darstellung einer konsumgetriebenen Wachstumsspirale.

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Die Störung beraubt jeden Bildpunkt seiner ursprünglichen Information. A priori ist nicht ersichtlich, ob allein die Signalübertragung fehlerhaft ist, jedoch bedeutungstragende Information vorhanden war, oder ob die Information unterbrochen wurde, wodurch die Störung ein Effekt des entstehenden, vom Inhalt entleerten Kanals ist. Oder handelt es sich beim Störbild gar um eine Verschlüsselung, die eine Dechiffrierung ausschließt, es sei denn, der adäquate Dekoder wird installiert, ein entsprechendes Plugin angeschafft.

Wer bestimmt, wer was wann und wo sehen, hören und lesen kann, und unter welchen gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen?

Das Rauschen (Static Noise) ist einerseits verstörend, (vielleicht auch betörend) quirlig und andererseits beruhigend, (vielleicht auch enervierend) eintönig. Die Künstlichkeit unseres sich aus wiederholenden Elementen zusammengesetzten Bildes bringt in der Installation im Großformat vor Ort möglicherweise doch bestimmte Muster zum Vorschein wie in einem Vexierbild, je nach Abstand und Perspektive. Bei längerer Betrachtung ermüdet das Auge und gibt den Blick frei auf den Screen mit Filmloops, ein inverser blinder Fleck in der Plakatwand, der die Lücke des heuer absenten Freiluftkinos nochmals deutlich macht.